Wer ist der Narr?

„Morgen“, sagte der Prinz, „wenn der alte Mann zum Marktplatz geht, um mit dem Volk zu sprechen, werde auch ich da sein. Ich werde eine Taube in meiner Hand halten und werde sagen: Weiser Mann! Ich frage dich: Ist der Vogel, den ich in meiner Hand halte, lebendig oder tot?

Wenn er sagt, der Vogel sei tot, so werde ich meine Hand öffnen und die Taube davon fliegen lassen. Sagt er aber, der Vogel sei lebendig, so werde ich die Taube mit der Hand zerquetschen und tot zur Erde fallen lassen. Egal, welche Antwort er gibt, der alte Mann wird wie ein Narr dastehen.“

Am nächsten Tag traf der Prinz noch vor dem alten Mann am Marktplatz ein. Er wartete geduldig, bis der alte Mann erschien und mit dem Volk zu sprechen begann. Dann nahm der Prinz die Taube aus dem Käfig, erhob seine Stimme und sagte: „Weiser Mann! Ich möchte dir eine einfache Frage stellen: Ist der Vogel, den ich hier in meiner Hand halte, lebendig oder tot?“

Die Menge schwieg, alle Augen richteten sich auf den weisen Mann. Der weise Mann hielt inne, sah zu der Menge, danach zum Prinzen und sagte: „Das, was du in deiner Hand hältst, ist, was du daraus machst!“

Autor unbekannt, für Hinweise danke ich. Aus Archiv RAS-News

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Zwei Freunde in der Wüste

Zwei Freunde wandern durch die Wüste. Irgendwann streiten sie sich und der eine gibt dem anderen eine Ohrfeige. Dies tut ihm weh, er sagte jedoch nichts. Er schreibt nur in den Sand: „Heute hat mir mein bester Freund eine Ohrfeige gegeben“.

Sie wandern weiter bis zu einer Oase, wo sie baden. Derjenige, der die Ohrfeige bekommen hatte, droht zu ertrinken, doch sein Freund rettet ihn. Als der Gerettete sich erholt hat, schreibt er auf einen Felsen: „Heute hat mir mein bester Freund das Leben gerettet“.

Da fragt ihn derjenige, der die Ohrfeige gegeben und ihm das Leben gerettet hat: „Als ich Dich verletzt habe, hast Du in den Sand geschrieben, und jetzt hast Du auf den Stein geschrieben. Aus welchem Grund?“

Sein Freund antwortete:
„Wenn jemand uns verletzt, müssen wir in den Sand schreiben, damit die Winde der Vergebung es tilgen können. Wenn jedoch jemand etwas Gutes für uns tut, müssen wir es in Stein einprägen, damit kein Wind es ausradieren kann“.

Verfasser unbekannt, bitte melden. Gefunden bei RAS-News

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 Die ungleichen Zwillinge

Äußerlich glichen sich die beiden Kinder wie ein Ei dem anderen, ansonsten waren sie jedoch grundverschieden. Wenn es dem einen zu heiß war, war es dem anderen zu kalt. Wenn einer sagte: „Der Fernseher ist zu laut“, verlangte der andere, die Lautstärke höher zu drehen. Der auffälligste Unterschied aber war, dass der eine zu jeder Stunde optimistisch und zuversichtlich war, und der andere immer schlecht gelaunt, miesepetrig und pessimistisch.

Als sie Geburtstag hatten, wagte der Vater der Zwillinge ein Experiment. Am Vorabend wartete er, bis seine Söhne eingeschlafen waren, und ging dann heimlich ans Werk. Nur um zu sehen was passiert, packte er das Zimmer des Pessimisten bis unter die Decke voll mit den schönsten Geschenken, mit Büchern, Spielzeug, Software und, und, und! Dem Optimisten aber legte er nur einen stinkenden Pferdeapfel ins Zimmer. Sonst nichts.

Am nächsten Morgen schaute der Vater zuerst ins Zimmer des Pessimisten. Er fand ihn laut heulend am Boden sitzen, inmitten der ganzen wundervollen Geschenke. „Warum weinst du?“, fragte der Vater.

Da schluchzte der Pessimist: „Erstens: weil meine Freunde neidisch sein werden; zweitens: weil ich die ganzen Gebrauchsanleitungen lesen muss, bevor ich mit den Geschenken was anfangen kann; drittens: weil ich für die meisten dieser Spielsachen ständig neue Batterien brauchen werde; und viertens: weil im Lauf der Zeit bestimmt ein paar von den Spielsachen kaputtgehen werden“.

Als der Vater dann ins Zimmer des Optimisten kam, hüpfte dieser vor Freude in großen Sprüngen um den Pferdeapfel herum. „Warum bist du so fröhlich“, fragte der Vater. „Ganz einfach“, antwortete sein optimistischer Sohn, „irgendwo im Haus muss ein Pony sein!“

Quelle: Ich bitte den Autor, sich bei mir zu melden. Gefunden bei RAS-News.

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 Mit Gott zu Mittag gegessen…

Es war einmal ein kleiner Junge, der unbedingt Gott treffen wollte. Er war sich bewusst, dass der Weg zu dem Ort, an dem Gott lebte, ein sehr langer war. Also packte er sich einen Rucksack voll mit einigen Coladosen und mehreren Schokoladenriegeln und machte sich auf die Reise.

Er lief eine ganze Weile und kam in einen kleinen Park. Dort sah er eine alte Frau, die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute, die vor ihr nach Futter auf dem Boden suchten.

Der kleine Junge setzte sich zu der Frau auf die Bank und öffnete seinen Rucksack. Er wollte sich gerade eine Cola herausholen, als er den hungrigen Blick der alten Frau sah. Also griff er zu einem Schokoriegel und reichte ihn der Frau.

Dankbar nahm sie die Süßigkeit und lächelte ihn an. Und es war ein wundervolles Lächeln! Der kleine Junge wollte dieses Lächeln noch einmal sehen und bot ihr auch eine Cola an.

Und sie nahm die Cola und lächelte wieder – noch strahlender als zuvor. Der kleine Junge war selig.

Die beiden saßen den ganzen Nachmittag lang auf der Bank im Park, aßen Schokoriegel und tranken Cola – aber sprachen kein Wort.

Als es dunkel wurde, spürte der Junge, wie müde er war und beschloss, zurück nach Hause zu gehen. Nach einigen Schritten hielt er inne und drehte sich um. Er ging zurück zu der Frau und umarmte sie.

Die alte Frau schenkte ihm dafür ihr allerschönstes Lächeln.

Zu Hause sah seine Mutter die Freude auf seinem Gesicht und fragte: “Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?”

Und der kleine Junge antwortete: “Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und sie hat ein wundervolles Lächeln!”.

Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn schon auf sie wartete. Auch er fragte sie, warum sie so fröhlich aussah. Und sie antwortete: “Ich habe mit Gott zu Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich gedacht habe.”

Verfasser unbekannt

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Sachi

Bald nachdem ihr Bruder geboren war, begann die kleine Sachi ihre Eltern zu bitten, sie mit dem Neugeborenen alleine zu lassen. Diese befürchteten, dass sie, wie die meisten Vierjährigen, eifersüchtig sein könne und ihn schlagen oder schütteln wolle, also sagten sie nein.

Aber sie zeigte keine Anzeichen von Eifersucht. Sie behandelte das Baby mit Freundlichkeit, und ihr Flehen, mit ihm allen gelassen zu werden, wurde dringlicher. Sie beschlossen, es zu erlauben.

Begeistert ging sie in das Zimmer des Babys und schloss die Tür. Aber sie öffnete sich einen Spaltbreit – genug für ihre neugierigen Eltern, um hineinzuspähen und zuzuhören.

Sie sahen, wie die kleine Sachi auf ihren neugeborenen Bruder zuging, ihr Gesicht an seines legte und ruhig sagte: „Baby, sag mir, wie sich Gott anfühlt. Ich fange an, es zu vergessen.

Dan Millmann in Hühnersuppe für die Seele

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Die goldene Schachtel

Papa hatte Geburtstag und die kleine Tochter überreichte ihrem Vater eine golden verpackte Schachtel.

Sie hatte dafür das gesamte, wertvolle Geschenkpapier aufgebraucht und weil das Geld knapp war, war der Vater darüber verärgert.

Als er dann das Geschenk öffnete und sah, dass die Schachtel leer war, schimpfte er los: „Weißt du denn nicht, junge Dame, dass, wenn man jemandem ein Geschenk gibt, auch etwas in der Verpackung sein soll?“ Die Augen seiner Tochter füllten sich mit Tränen und sie sagte:

„Aber Papa, die Schachtel ist nicht leer. Ich habe so viele Küsschen hineingetan, bis sie ganz voll war.“

Beschämt nahm der Vater seine Tochter liebevoll in die Arme und bat sie um Verzeihung.

Nach Margaret Fishback-Powers, geändert und gekürzt

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Der Himmel

Es war einmal ein kleiner Heiliger, der hatte viele Jahre ein glückliches und zufriedenes Leben geführt. Als er eines Tages gerade in der Klosterküche beim Geschirrabwaschen war, kam ein Engel zu ihm und sprach: „Der Herr schickt mich zu dir und lässt dir sagen, dass es an der Zeit für dich sei, in die Ewigkeit einzugehen.“

„Ich danke Gott, dass er sich meiner erinnert“, erwiderte der kleine Heilige. „Aber du siehst ja, was für ein Berg Geschirr noch abzuwaschen ist. Ich möchte nicht undankbar erscheinen, aber lässt sich das mit der Ewigkeit nicht so lange hinausschieben, bis ich hier fertig bin?“

Der Engel blickte ihn nach Engelart weise und huldvoll an und sprach: „Ich werde sehen, was sich tun lässt“, und verschwand. Der kleine Heilige wandte sich wieder seinem Geschirrberg zu und danach noch allen möglichen anderen Dingen…

Eines Tages machte er sich gerade mit einer Harke im Garten zu schaffen, da erschien der Engel wieder. Der Heilige wies mit der Harke gartenauf und gartenab und sagte: „Sieh dir das Unkraut hier an! Kann die Ewigkeit nicht noch ein bisschen warten?“. Der Engel lächelte und verschwand abermals.

Der Heilige jätete den Garten fertig, dann strich er die Scheune. So werkte er fort und fort, und die Zeit ging dahin … Eines Tages pflegte er die Kranken. Er hatte eben einem fiebernden Patienten einen Schluck kühlen Wassers eingeflößt, da sah er, als er aufblickte, wieder den Engel vor sich.

Dieses Mal breitete der Heilige nur mitleidheischend die Arme aus und lenkte mit den Augen des Engels Blicke von einem Krankenbett zum anderen. Der Engel verschwand ohne ein Wort.

Als der kleine Heilige sich an diesem Abend in seine Klosterzelle zurückzog und auf sein hartes Lager sank, sann er über den Engel nach und über die lange Zeit, die er ihn nun schon hingehalten hatte. Mit einem Mal fühlte er sich schrecklich alt und müde, und er sprach: „0 Herr, könntest du deinen Engel doch jetzt noch einmal schicken, er wäre mir sehr willkommen.“

Kaum hatte er geendet, stand der Engel schon da: „Wenn du mich nimmst“, sagte der Heilige, „so bin ich nun bereit, in die Ewigkeit einzugehen!“

Der Engel blickte den Heiligen nach Engelart weise und huldvoll an und sprach: „Was glaubst du wohl, wo du die ganze Zeit gewesen bist?.“

Albert Schweitzer

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Zu schnell gefahren

Jack schaut noch einmal kurz auf seinen Tacho, bevor er langsamer wird: 73 in einer 50er Zone. Mist! Das war das vierte Mal in wenigen Monaten.
Er fährt rechts an den Straßenrand und denkt: „Lass den Polizisten doch wieder einmal herummosern über meinen Fahrstil….“
Der Polizist steigt aus seinem Auto aus, mit einem dicken Notizbuch in der Hand. Ist das etwa Bob, der in der Kirche oft neben ihm sitzt? Jack sinkt tiefer in seinen Sitz. Das ist schlimmer als der Strafzettel.

„Hi Bob. Komisch, dass wir uns so wiedersehen“ , sagt Jack beim Aussteigen.

„Hallo Jack.“ Keinerlei Lächeln in Bobs Gesicht.

„Ich sehe du hast mich erwischt in meiner Eile, nach Hause zu kommen, um meine Frau und meine Kinder zu sehen.“

„Ja, so ist das.“ Kein Lächeln.

„Ich bin die letzten Tage immer sehr spät aus dem Büro gekommen.“

Jack schießt einen Kieselstein an die Bordsteinkante.

„Petra wollte mit mir und den Kindern grillen heute Abend. Verstehst du, was ich meine?“

„Ich weiß, was du meinst. Und ich weiß auch, dass du soeben ein Gesetz gebrochen hast.“ Aua, das ging in die falsche Richtung. Zeit, die Taktik zu ändern.

„Mit wie viel hast du mich erwischt?“

„Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in dein Auto setzen?“

„Ach Bob, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort gecheckt, als ich dich gesehen habe! Ich habe mich auf höchstens 65 km/h geschätzt!“

„Bitte Jack, setz dich wieder in dein Auto.“

Genervt quetscht Jack sich wieder ins Auto. Mit einem Knall schlägt die Türe zu. Er starrt auf sein Armaturenbrett.
Bob ist fleißig am Schreiben auf seinem Notizblock. Warum will Bob nicht seinen Führerschein und die Papiere sehen?
Endlich klopft Bob an die Tür. Er hat einen Zettel in der Hand. Jack öffnet das Fenster, maximal 5 cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Bob reicht ihm den Zettel und geht dann zu seinem Auto, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Jack faltet den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten?
Doch, Moment: Ist das ein Witz? Das ist gar kein Strafzettel!
Jack liest:

„Lieber Jack, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war, starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten; der Typ ist zu schnell gefahren.
Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder lieb haben.
Ich hatte nur eine Tochter, und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausend Mal habe ich versucht, diesem Mann zu vergeben. Tausend Mal habe ich gedacht, ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich.
Und sei bitte vorsichtig, Jack. Mein Sohn ist alles, was ich noch habe.“

Jack dreht sich um und sieht Bob wegfahren, bis er nicht mehr zu sehen ist.
Langsam fährt auch er nach Hause. Er denkt dabei an seine Kinder. Zu Hause angekommen nimmt er seine überraschte Frau und die Kinder in den Arm und drückt sie ganz fest.
Das Leben ist so wertvoll. Behandle es mit Respekt und Achtung!
Verfasser unbekannt, gefunden bei zeitzuleben.de

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Die besondere Gelegenheit

Mein bester Freund öffnete die Kommodenschublade seiner Ehefrau und holte ein in Seidenpapier verpacktes Päckchen heraus. Es war nicht irgendein Päckchen, sondern ein Päckchen mit edler Unterwäsche darin. Er warf das Papier weg und betrachtete die Seide und die feine Spitze.

„Dies kaufte ich ihr, als wir zum ersten Mal in Paris waren. Das ist jetzt 10 oder 11 Jahre her. Sie hat es nie getragen. Sie wollte es für eine besondere Gelegenheit aufbewahren. Und jetzt, glaube ich, ist der richtige Moment gekommen!“

Er näherte sich langsam ihrem Bett und legte die Unterwäsche zu den anderen Sachen, die vom Bestattungsinstitut mitgenommen werden sollten. Seine Frau war gestorben. Als er sich zu mir umdrehte, sagte er:

„Bewahre nichts für einen besonderen Anlass auf! Jeder Tag, den du lebst, ist ein besonderer Anlass.“

Verfasser unbekannt

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Welpen zu verkaufen

In einer Tierhandlung hing ein großes Schild, auf dem stand: „Welpen zu verkaufen“.
Ein kleiner Junge kam vorbei und sah das. Da der Ladenbesitzer gerade an der Tür stand, fragte er ihn:

„Was kosten die Hundekinder?“.

„Zwischen fünfzig und achtzig Euro“ sagte der Mann.

Der kleine Junge griff in seine Hosentasche und zog einige Münzen heraus.

„Ich habe 7 Euro und 65 Cents,“ rechnete er vor. „Darf ich sie mir bitte anschauen?“.

Der Ladenbesitzer lächelte und pfiff nach seiner Hündin. Fünf kleine Hunde stolperten hinter ihr her. Eines von ihnen war deutlich langsamer als dieanderen und humpelte auffällig.

„Was hat der Kleine da hinten?“ fragte der Junge.

Der Ladenbesitzer erklärte ihm, der Welpe habe einen Geburtsschaden und würde nie richtig laufen können.

„Den möchte ich kaufen“, sagte der Junge.

„Also den würde ich nicht nehmen, der wird nie ganz gesund,“ antwortete der Mann.
„Aber wenn du ihn unbedingt willst,“ fügte er hinzu, während er in das entschlossene Gesicht des kleinen Jungen sah, „schenke ich ihn dir.“

Da wurde der kleine Junge wütend. Er blickte dem Mann direkt in die Augen und sagte: „Ich möchte ihn nicht geschenkt haben. Dieser kleine Hund ist jeden Cent wert, genauso wie die anderen auch! Ich gebe Ihnen meine 7,65 Euro und werde jede Woche einen Euro bringen, bis er abbezahlt ist.“
Der Mann entgegnete nur: „Ich würde ihn wirklich nicht kaufen – er wird niemals in der Lage sein, mit dir zu rennen und zu toben wie die anderen.“

Da hob der Junge sein Hosenbein und sichtbar wurde eine Metallschiene, die sein verkrüppeltes Bein stützte. Liebevoll auf den Hund blickend sagte er: „Ach, ich renne selbst auch nicht gut – und dieser kleine Hund wird jemanden brauchen, der ihn versteht …“

Dan Clark „Weathering the Storm“, aus dem Englischen übersetzt, leicht geändert.

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Das Geschenk

Ein Bus holperte eine Seitenstraße in einer Stadt im Süden Amerikas entlang. Auf einem Sitz saß ein feiner alter Mann mit einem Strauß von frischen Blumen. Auf der anderen Seite des Ganges war ein junges Mädchen,dessen Augen wieder und wieder zu den Blumen des Mannes hinüberglitten. Es wurde für den alten Mann Zeit auszusteigen. Impulsiv warf er die Blumen dem Mädchen in den Schoß.

»Ich sehe, Sie mögen Blumen«, erklärte er, »und ich glaube, meine Frau würde es mögen, wenn Sie sie hätten. Ich werde ihr sagen, dass ich sie Ihnen gegeben habe.«

Das Mädchen nahm die Blumen an, sah dann den Mann aus dem Bus steigen und durch das Tor eines kleinen Friedhofes gehen.

Bennet Cerf

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Eine Geschichte zum Valentinstag

Larry und Jo Ann waren ein durchschnittliches Paar. Sie lebten in einem gewöhnlichen Haus in einer gewöhnlichen Strasse. Wie jedes andere gewöhnliche Paar bemühten sie sich, durchzukommen und das Richtige für ihre Kinder zu tun.

Sie waren noch auf eine andere Art gewöhnlich – sie hatten ihre Zänkereien. Viele ihrer Gespräche drehten sich darum, was in ihrer Ehe falsch und wer daran schuld war. Bis zu dem Tag, an dem ein höchst ungewöhnliches Ereignis stattfand.

„Weißt du, Jo Ann, ich habe eine Zauberkommode. Immer, wenn ich sie öffne, ist sie voller Socken und Unterwäsche“, sagte Larry. „Ich möchte dir danken, dass du sie all diese Jahre gefüllt hast.“

Jo Ann starrte ihren Mann über ihre Brille hinweg an. „Was willst du, Larry?“.

„Nichts. Ich möchte dich nur wissen lassen, dass ich diese Zauberkommode zu schätzen weiß.“

Dies war nicht das erste Mal, dass Larry etwas Sonderbares getan hatte, also vertrieb Jo Ann diesen Vorfall aus ihren Gedanken – bis zu einem Moment ein paar Tage darauf.

„Jo Ann, danke, dass du diesen Monat so viele richtige Schecknummern in das Hauptbuch eingetragen hast. Du hast 15 von 16 Nummern richtig eingetragen. Das ist ein Rekord.“

Ungläubig, dass sie richtig gehört hatte, sah Jo Ann von ihrer Arbeit auf. „Larry, du beklagst dich immer, dass ich die falschen Schecknummern aufschreibe. Warum hörst du jetzt damit auf?“.

„Kein besonderer Grund. Ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich deine Mühe zu schätzen weiß.“

Jo Ann schüttelte den Kopf und wandte sich wieder ihrer Arbeit zu. „Was ist in ihn gefahren?“, murmelte sie leise. Trotzdem, als sie am nächsten Tag im Supermarkt einen Scheck ausschrieb, warf sie einen Blick in das Scheckbuch, um sich zu vergewissern, dass sie die richtige Schecknummer eingetragen hatte.

„Warum kümmere ich mich auf einmal um diese dummen Schecknummern?“, fragte sie bei sich.

„Jo Ann, das war ein großartiges Abendessen“, sagte er eines Abends. „Ich weiß deine ganze Mühe zu schätzen. Na, ich wette, in den letzten 15 Jahren hast du über 14.000 Mahlzeiten für mich und die Kinder zubereitet.“ Dann: “Mensch, Jo Ann, das Haus sieht toll aus. Du hast wirklich schwer gearbeitet, dass es so gut aussieht.“ Und sogar: „Danke, Jo Ann, dass du einfach du bist. Ich genieße deine Gegenwart wirklich.“

Jo Ann begann sich Sorgen zu machen. „Wo ist der Sarkasmus, die Kritik?“, fragte sie sich.
Ihre Sorge, dass etwas Eigenartiges mit ihrem Mann geschah, wurde durch die 16jährige Shelly bestätigt, die klagte: „Dad ist übergeschnappt, Mom. Er hat mir gerade gesagt, dass ich hübsch aussehe. Bei all dem Make-up und den schlampigen Kleidern hat er es trotzdem gesagt. Das ist nicht Dad,Mom. Was stimmt nicht mit ihm?“.

Was auch immer nicht stimmte, Larry hörte nicht auf damit. Tagein, tagaus fuhr er fort, sich auf das Positive zu konzentrieren.

Als die Wochen vergingen, begann Jo Ann, sich an das ungewöhnliche Verhalten ihres Mannes zu gewöhnen und sagte ihm sogar gelegentlich ein widerwilliges: „Danke“. Sie rühmte sich, spielend mit allem fertig zu werden, bis eines Tages etwas so Eigenartiges passierte, dass sie völlig aus der Fassung geriet.

„Ich möchte, dass du eine Pause machst“, sagte Larry. „Ich werde das Geschirr abwaschen. Also nimm bitte deine Hände von dieser Bratpfanne und verlass die Küche.“ (Sehr lange Pause.)

„Danke, Larry. Ich danke dir sehr!“ Jo Anns Schritte waren jetzt schon ein wenig leichter, ihr Selbstvertrauen größer und ab und zu summte sie. Sie schien nicht mehr so oft traurig gestimmt zu sein. „Ich mag Larrys Verhalten ganz gern“, dachte sie.

Das wäre das Ende der Geschichte, wenn nicht eines Tages ein weiteres höchst außergewöhnliches Ereignis stattgefunden hätte. Dieses Mal war es Jo Ann, die sprach. „Larry“, sagte sie, „ich möchte dir danken, dass du seit all diesen Jahren zur Arbeit gehst und für uns sorgst. Ich glaube gar nicht, dass ich dir jemals gesagt habe, wie sehr ich es zu schätzen weiß.“

Larry hat nie einen Grund für seinen grundlegenden Wandel verraten, so sehr Jo Ann auch auf eine Antwort drängte, und so wird es wahrscheinlich eines der Geheimnisse des Lebens bleiben.
Aber es ist eines, mit dem zu leben ich dankbar bin. Sehen Sie, ich bin Jo Ann.

Aus „Hühnersuppe für die Seele“ von Jo Ann Larsen, leicht verändert.

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Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn. Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebensnur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“.

Da antwortete er: “ Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

Margaret Fishback Powers. Geschichten fürs Herz.

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“Ach, Papa, bitte nur noch fünf Minuten!”

An einem schönen Sommernachmittag setzte sich eine junge Frau neben einen Mann auf die Parkbank, die am Rande des Kinderspielplatzes stand.

“Der Kleine im roten Pullover dort auf der Rutschbahn ist mein Sohn”, erklärte sie ihrem Nachbarn.
“Wirklich ein netter Bursche”, sagte der Mann. “Mein Sohn ist der im blauen Anorak dort auf der Schaukel.” Und während er das sagte, schaute er auf seine Uhr und rief zu seinem Sohn hinüber:
“Stefan, wir sollten nach Hause gehen.”

“Nur noch fünf Minuten! Bitte Papa, noch fünf Minuten”, bettelte Stefan.

Der Vater nickte zustimmend, und sein Sohn gab der Schaukel neuen Schwung. Der Vater machte es sich noch einmal bequem, genoss ein paar Minuten lang den Sonnenschein auf seinem Gesicht und schaute den spielenden Kindern zu. Doch dann rief er: “Stefan, komm, wir gehen jetzt!”

“Ach, Papa, noch fünf Minuten. Bitte, nur noch fünf Minuten!”

Der Vater lächelte und rief: “Also gut, meinetwegen!”

“Sie sind aber wirklich ein sehr großzügiger Vater”, sagte die junge Frau.

“So großzügig bin ich gar nicht zu ihm. Es ist schon eher meinetwegen”,erwiderte der Mann. “Wissen Sie, vor einem Jahr verunglückte mein ältester Sohn Florian tödlich, als er hier in der Nähe auf seinem Fahrrädchen von einem betrunkenen Autofahrer überfahren wurde. Ich hatte wegen meiner Arbeit nie viel Zeit mit Florian verbracht, und jetzt würde ich alles geben für fünf Minuten mit ihm. Ich habe geschworen, bei Stefan denselben Fehler nicht noch einmal zu machen. Er glaubt, er habe noch fünf Minuten zum Schaukeln gewonnen. In Wahrheit habe ich noch fünf Minuten bekommen, um meinem Sohn beim Spielen zuschauen zu dürfen.”

Verfasser unbekannt.

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Ist der Mensch in Ordnung, so ist es auch die Welt

Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Der aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spiel. Also überlegte er, womit er den Knaben beschäftigen könnte.

Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er aus und zerschnipselte es dann in viele kleine Teile. Die gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei.

Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm das fertig zusammengesetzte Bild. Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe.

Das Kind sagte: „Auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt.“

Verfasser unbekannt.

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